Ludwig Mathar über sich selbst Mit fünfundzwanzig Jahren "cand.", bitte nicht "stud." phil., kein erbärmlich schlotterndes Füchslein, ein sehr selbftbewußter Examenskandidat der rheinischen Universität zu Bonn, der zu Freiburg im Breisgau, zu München in Bayern, zu Paris an der Sorbonne, zu London am Britischen Museum Deutsche Sprache und Literatur, Neuere Sprachen schlecht und recht studiert hat und sein Examen für das Lehramt an höheren Schulen schon machen wird. Mit dreißig Jahren vorläufig im Hafen, wohlbestallter Oberlehrer in Neuß am Niederrhein, hochbeglückter Ehemann im stillen, von treuer Liebe verklärten Heim. Tage der süßen Rast, der fleißigen, begeisterten Schularbeit. Mit fünfunddreißig Jahren mitten im Wüten des Weltkrieges, in den Ardennen und an der Maas, an der Somme und in Lothringen, in Kurland, in Libau und Riga, und zuletzt im schon verlorenen, kerndeutschen Elsaß. Da suchte ich in Blut und Tränen die Heimat. Mit vierzig Jahren im Schwabenalter, mitten in den Wirbeln der Revolutionsjahre zu Köln, im stillen Nest hart am Ufer des Rheines, ein Dichter. Da brachen mit einem Mal alle Quellen der Heimatliebe auf; da erblühte die Sehnfucht in bunten Bildern der Jugend -, der Wanderzeit: Der Erstlingsroman "Die Monschäuer"  entstand, die Geschichte des eigenen Schweifens und Suchens, die Geschichte des lebensfrohen Vaters, der lebensstarken Mutter, des lebensfremden Ohms. Da ward das liebe, schöne Städtchen zwischen Venn und Rur in frischen Farben gemalt. So suchte ich in der Fremde die Heimat. Heimat schien vergessen Da rief sie furchtbar den Wanderer zurück. Im Mutterschoß der heimischen Erde barg er schmerzensstarr sein Liebstes, die Gespielin seiner Jugend, des 'Mannes treue, tapfere Weggenossin. Ihm klaffte der Boden, ihm nachtete der Himmel, ihm erstarb das Herz vor Krampf und Weh. Doch heilig ward ihm nun diese Erde, diese Heimat, der Weggenossin letzte Statt. Wie Vater und Bruder ward ihm dies Volk, die Kameraden der Jugend, die knorrigen Käuze, die luftigen Lacher, die träumerischen Sinnierer. ja, er, der Weltenwanderer, ward dieser Heimat, dieses Volkes getreuestes Ebenbild. Home zurück