Ludwig Mathar über sich selbst Von meinem Werk und mir Eine Selbstbetrachtung Es ist allezeit eine unbehagliche Sache, von sich selber zu reden. Wagt man‘s, sich zu loben, so  heißt‘s gleich: Lobhudelei, Selbstberäucherung! Ist man so ehrlich, sich zu tadeln, so quittieren die  Eingeweihten mit einem Augurenlächeln: Das glaubt er ja selber nicht!  Und was hat man auch Großes von sich selber zu sagen! Daß man geboren ward, ist  naturnotwendig. Wann, das kann bei altertümlicher Kahlköpfigkeit unangenehm werden. Doch in  bin so keck und lüfte den Schleier: Am 5. Juni 1882. Wo? Das scheint mir schon wesentlicher.  Denn der Mensch wurzelt doch tiefer, als das erleuchtete 19. Jahrhundert meinte, in dem von  Natur und Kultur geweihten Heimatboden. Nun denn, so sei‘s verraten, auch wenn‘s nicht eben  etwas Welterschütterndes ist, zu Monschau (Montjoie), dahinten am Rande der Wallonie, als ein  Monschäuer, d.h. als ein Schildbürger, ein Wandergesell, ein Allerweltsschalk, ein Erdenträumer  und Sternengucker, als einer, der erst am neunten Tage sehend, im dritten Jahre laufend wird,  erblickte ich dieses Tuchmacherstädtchens schelmisch heitere, kirmeslustige, trink– und  tafelfreudige Bürgerlichkeit.   Doch vorerst wollte ich ja von meinem Werke reden und nicht von meiner leider schon allzu  beleibten, sesselfrohen Persönlichkeit! So bitte ich denn, den Schelmenroman "Die Monschäuer“   zu lesen. (Verlag J. Kösel und Fr. Pustet, München) Vielleicht verzeihen es mir die  Allzugestrengen dann doch, daß ich nichts anderes als ein Eulenspiegel vom Hohen Venn, als ein  schreibseliger, spottsüchtiger Schildbürger, mit einem Wort, ein trotz oder gerade wegen weiterer  Reisen nach Rom, London und Paris unverfälschter Monschäuer war und geblieben bin.  Sackerlot! Was kann man schließlich dafür, daß man den Vennbach nicht vergißt, in dem man die  ersten Forellen sozusagen gewildert hat, die alte Burgruine, in der man „Räuber und Gendarm“  gespielt hat, die Rektoratschule, die einem lateinfremden Hirn amo, amas, amat eingepaukt,  einem unsäßigen Hosenboden Fleiß und Beharrlichkeit in Mathematik und ähnlichem  Teufelswirrsal eingebläut hat, die sausenden, ratternden Webstühle, die geheimnisvollen   Home weiter zurück