Ludwig Mathar über sich selbst Indigoküpen, die höllisch stampfenden Walken, die mit prallem, glatten Tuch bespannten Rahmen!  Die unvergeßliche Glanzzeit der Monschäuer Tuchmacherei, von der Vater erzählte, der selber  vom wollenen Faden war! Die gewaltigen kunstreichen Patrizierhäuser, die geschnitzten Treppen,  die geschieferten Giebel, die gravitätisch schreitenden, pokulierenden Herren Fabrikanten!  Diese meine Anhänglichkeit an alles, was Weber  und Webertum heißt, verstehen will, der  versenke sich in meinen zweiten, meinen Tuchmacher-Roman "Das Glück der Ölbers" (J.P.  Bachem, Köln). Wer diese behaglichen Sinnierer, diese unersättlichen Trinker, diese  unverbesserlichen Hagestolze, diese Kreuzmariage-Brüder noch nicht kennt, der braucht nur "Fünf  Junggesellen und ein Kind" (Herder & Co., Freiburg) aufzuschlagen.  Rauhe Vennluft, knorriges Menschtum in "Settchens Hut" (Herder & Co., Freiburg), der grimme  Widerstreit zwischen bäuerlichem Kopftuch und städtischem Hut. Ein leidvolles und doch  sieghaftes Menschenschicksal im "Armen Philibert" (Herder, Freiburg).  Mein Gott, es brauchen nun aber doch nicht alle Potentaten und Literaten aus diesem Vennschilda  aus diesem Monschau zu sein! Wenn man übrigens selber da seßhaft ist, pfeift man auf alle  Schönheit von Venn und Rur, brennt darauf, sich in gesegneteren Breiten Blasen anzulaufen. Und  nun kommt‘s auch ans Tageslicht, warum ich nicht allzugern von mir selber rede. Daß einer als  sechzehnjähriger Grünschnabel in ein römisches Kloster durchbrennt, um nach Jahresfrist in ein  erzbischöfliches Konvikt wieder auszureißen, daß einer dann über der buchstabenpeinlichen  Philologie das frische Leben in Wald und Alp, in Flur und freier, schöner Gottesnatur vergißt, das  kommt einem Vierzigjährigen nicht eben großartig vor.  Ja, ja, er hat sich weidlich die Hörner abgestoßen, dieser Monschäuer, der nach den Sternen zu  greifen wagte. Weiß nunmehr, daß die Menschen weder Engel noch Teufel, sondern eben  schwache, vom Glück oder Unglück gerüttelte und geschüttelte, bestenfalls Monschäuer sind.  Auch das Schulmeistern ist keine so ganz einfache Sache, das Kriegführen erst recht nicht,  besonders im Schützengrabendreck, und wenn‘s vier lange, schwere Leidensjahre dauert.   Home weiter zurück