Ludwig Mathar über sich selbst Wie ich nach Italien kam An der Wiege ward's mir nicht gesungen. Im Städtchen Monschau, weit hinten an des Deutschen Reiches westlichster Grenze. Das war so lustig, so schön im engen Tal, an der rauschenden Rur, im Kreise der unend-lichen Heiden und Wälder des Hohen Venns. Das war so voller Schalke und Schelme. So voller spaßfröhlicher Tuchmacher, vom Gazauenweber und Färbersknecht bis zum Buchhalter und Fabrikanten. So voller kernfester Fuhrleute, behaglicher Kleinbürger,. vom Buchbinder bis zum Stadtrat und Apotheker, vom »Napoleön-chen«  und »Kuraschewellem« bis zum hitzigen Ferdinändchen und roten Christöffelchen. Daß ein mit Luchsaugen lugender, mit Fuchsohren lauschender, in allen Gassen und Winkeln, in allen Läden und Werkstätten erfahrener, vorwitziger, vorlauter, unverbesserlicher Springinsfeld und Hans Dampf, wie dieser quecksilbrige Sohn des Buchhalters und der Handwerkerstocher, dieser Freund der Fuhrleute und Weber, der Buchbinder und Kupferschläger, schon in diesem bienenemsigen, weltentlegenen Rur- und Vennstädtchen genug zur Augenweide und Herzens-freude hatte. So ward denn Ludwig Mathar, der am Tage des hl. Bonifatius im segensreichen Jahr 1882 just in dem Augenblick tapfer brüllend zur Welt kam, als hochfeierlich mit Fahnen und Schellen die Fronleichnamsprozession am stattlichen Haus im Angesicht des Roten Hauses, des Monschäuer Tuchmacherpalastes, vorüberzog, ein mit allen Wassern der rauschenden Rur gewaschener, mit allen Listen der Tuchmacher geweckter, von allen Winden des Venn durchlüfteter, echter und rechter Monschäuer. Home weiter