Ludwig Mathar über sich selbst Mit zwölf Jahren in der Volksschule des hiebfesten, solidtüchtigen Lehrers daheim auf sauber gemalten Landkarten, in Paris so gut wie in London und in Rom. Mit fünfzehn Jahren Schrecken des gestrengen Rektors der Lateinschule des Städtchens, aber Liebling des Lehrers in Geographie und Geschichte. Dennoch wäre aus diesem ungeduldig lauernden und lauschenden Obertertianer der Städtischen Rektoratsschule wohl bestenfalls ein weltgewandter Reisender der Tuchmacherei, vielleicht auch ein Dichter des so bunten und lustigen Kleinstädtchens geworden. Wie aber ein Dichter des unbekannten Italiens, des italienischen Frühlings? Das aber kam so. Wie aus einem Saulus plötzlich ein Paulus wird! Wenn mit einem Mal ein Oheim und Abt und Bischof aus dem Ewigen Rom, aus San Paolo fuori le mura, unter Triumphbögen und Böllerschüssen seinen hochfeierlichen Einzug ins Heimatstädtchen hält. Dann wird solch ein unruhiger Schwärmer ein inbrünstig Frommer, der keine Messe, keinen Rosenkranz versäumt. Der zu Weihnachten die gar nicht frömmlerische Mutter mit seinem atemlosen Lauf von Messe zu Messe zur Verzweiflung bringt. Der alle sieben Fußfälle, alle Wallfahrten vom Kreuz im Venn bis zur Muttergottes von Heimbach laut und taktfest wie ein Brudermeister, unermüdlich wie eine Betschwester, in Staub und Glut der Landstraßen heldenhaft mitmacht. Der schon sein Brevier wie ein richtiger Kleriker und Klosterbruder im weiten Venn und in den stillen Wäldern betet. Nein, es ist umsonst! Kein Zureden der vennrauhen und doch herzensgütigen Mutter, ja kein unbarmherziges Walken des geschwungenen Teppichklopfers, selbst keine diskrete Geistesuntersuchung des liberal angehauchten Sanitätsrates fruchtet da etwas. Er muß nach Italien, nach Rom! Er will ein Abt, ein Bischof, ja ein Kardinal werden! Er, der noch nie mit dem Dampfroß gefahren, macht gleich in einem Zuge die Reise von Köln nach Rom, den Rhein hinauf, über die Alpen, durchs hochgelobte Land der Sehnsucht: Italienl Home weiter zurück