Ludwig Mathar über sich selbst 0 diese Fahrt im Vorfrühling, dem Frühling des Südens, der sonnigen Primavera entgegen! Wo im Tessin die ersten Mandeln blühten, wo an der Riviera der Rausch des Frühlings auf die blaue See herniederglühte. Wo m Ewigen Rom silberhell im Sonnenglanz die Brunnen sprangen. Wo die weite, wilde Campagna im zarten Grün unendlicher Weiden lächelte. Wo im kunstreichen Kreuzgang des weltberühmten Benediktinerklosters St. Paul weit draußen vor den Mauern die Rosen über Nacht in herrliche Blüten brachen. Trunken war der tumbe Monschäuer da! Der Alumne der gar nicht gestrengen Klosterschule. Der Postulant des hl. Benedikt in lästig langer, zu Fall bringender Kutte. Der Ministrant bei den hochfeierlichen Pontifikalämtern des Oheims und Abtes drunten in der marmorblanken, weitgewaltigen, weltberühmten Basilika des Völkerapostels St. Paulus. Der Freund eines später gewaltig erstarkenden Mitschülers, des zukünftigen Erzbischofs von Mailand und Kardinals. Und doch trotz aller mystischen Frömmigkeit ein Kolumbus im Kloster, ein Conquistador in der Kutte! Ein Wanderer kreuz und quer durch das Ewige Rom, von San Sebastiano bis Santa Croce, vom Pincio bis zum Janiculus, vom Palatin bis zum damals noch einsamen Scherbenberg Testaccio. Vor allem durch Trasteveres wimmelnde Gassen, wo sich vor dem Plätzchen mit dem rauschenden Bronnen, gegenüber der uralten herrlichen Marienkirche der Palast des hl. Calistus, die Sommerresidenz des Oheims und Abtes, erhob. Ein Entdecker der Campagna, ihrer grausigen Höhlen, ihrer schaurigen Büsche, ihrer strohernen Hütten, wo die Hirten dem Abt und seinen Klosterschülern geronnenen Käse kredenzten. Ihrer mälerreichen Gräberstraße, ihrer düstern Pinienwälder, ihrer verlassenen Meeresküsten. Ein Räuberhauptmann der Sabina, des wilden Berglandes, der vom Generalquartier, dem halbverfallenen Benediktinerkloster, der uralten Reichsabtei Farfa, deren Biograph der Freund werden sollte, die horstenden Sabinerstädtehen in den langen Herbstferien knabenwild erstürmte. Ein Generalissimus der Alumnen von San Paolo, der selbst im Chor seine drolligen Streiche heckte, auch als Büßer auf den Knien beim Frühstück sich nicht zerknirschte. Der Erzfeind Fra Simplicios, des Gärtners, dem er ganze Felder süßer Bohnen und Erbsen abgraste, dem er unzählige Apfelsinenschalen in tausend Fetzchen über seinen herrschaftlichen Gartenkies streute. Der Erzpeiniger Fra Romualdos, des Mit-alumnen, dessen Weckruf: Benedicamus Domino! der Siebenschläfer mit dem Wurf des triefenden Schwammes erstickte. Home weiter zurück